finletter 387 – Banken-Wallet, Vollbank-Ambitionen, Binance-Ärger

Martin Pieck
Martin Pieck

Banken-Wallet

Sieben US- Banken planen einen Rollentausch. Waren es bislang die Fintechs und Bigtechs, die den Banken im Finanzdienstleistungssektor die Butter vom Brot nehmen wollten, scheint eine neue Initiative nun, zu kontern.

Die Banken arbeiten derzeit gemeinsam an einer Wallet, die offensichtlich als Kampfansage an Angebote von Paypal, Apple Pay und Co. zu verstehen ist. Doch auch wenn die noch namenlose Wallet vor allem Fintechs das Wasser abgraben soll – ganz ohne kommt auch sie nicht aus. Bereits jetzt ist bekannt, dass nämlich Early Warning Services (EWS), ein Fintech, dass teilweise den Banken gehört, die Wallet für eben diese entwickeln soll.

Ähnliche Ambitionen hegte bereits die European Payment Initiative (EPI). Diese ist zwar offiziell nicht ad acta gelegt, jedoch in den Ambitionen und nach der Größe der Mitgliederzahl geschrumpft. Hatte die EPI noch die Idee, auch den übermächtigen Bezahl-Konzernen Mastercard und Visa Kundschaft abzunehmen, setzt die US-Wallet auf die Mitarbeit dieser Konzerne. So zitiert die „FAZ” einen Experten mit der Vermutung, dass Mastercard und Visa die Gewinner der Entwicklung seien, da die Anbieter der Wallet auf Netzbetreiber angewiesen seien.

Möglicherweise ist gerade ohnehin ein guter Zeitpunkt für die Banken, sich gegen die Fintech-Konkurrenz in Stellung zu bringen. So zitiert etwa „Finews” einen Experten damit, dass der „war of talent„ nun begonnen habe. Gemeint ist die Chance für (in diesem Fall eidgenössische) Banken, den GAFA-Konzernen IT-Talente wegzulocken. Diese bestünde gerade in besonderem Maße, da die großen Konzerne Mitarbeiter zu tausenden auf die Straße setzen.

faz.net, handelsblatt.com, t3n.de, finews.ch


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– Fintech-News Deutschland –

Trade Republic will Vollbank werden: Mit einer Guthabenverzinsung von zwei Prozent für seine Kunden, sorgte der Neo-Broker erst kürzlich für Schlagzeilen. Nun setzt das Fintech noch einen oben drauf. Wie „Finanz-Szene” zuerst berichtete, hat Trade Republic eine vollumfängliche Banken-Lizenz bei der Bafin beantragt. Damit könnte Trade Republic auch Einlagen und Kredite anbieten. businessinsider.de, finanz-szene (Paywall)

Scalable-Zinsen: Nachdem der Neobroker Trade Republic die erwähnten zwei Prozent Zinsen einführte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz reagiert. Scalable Capital hat nun noch gute zehn Prozent draufgesetzt und bietet 2,3 Prozent Zinsen auf Tagesgelder. Die Zinsen werden gezahlt für Guthaben bis 100.000 Euro, jedoch ist der Abschluss eines kostenpflichtigen Premium-Kontos Voraussetzung. businessinsider.de

Rewe beendet Payback früher: Rewe und Penny werden ihre Kooperation mit Payback bereits 2024 auslaufen lassen. Noch etwa zwei Jahre sei es demnach möglich, in den genannten Märkten Punkte zu sammeln, zumindest für Payback. Wahrscheinlich wird sich Rewe im Anschluss nämlich nach einer Punkte-Alternative umsehen, womöglich aus dem eigenen Haus. Payback verliert damit auf einen Schlag die Hälfte seiner 31 Millionen Kundenkonten in Deutschland. spiegel.de

Auch wichtig:

+++ Klarna kooperiert mit Wolt Deutschland: Den Kunden werden automatische monatliche Sammelabbuchungen angeboten, Zinsen sollen nicht anfallen. it-finanzmagazin.de +++ Deutschland bei Insurtechs hintenan: zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie, die unter anderem vom Insurlab Germany und der Maschmeyer Group in Auftrag gegeben wurde. insurlab-germany.com +++ Noch eine Studie mit schlechtem Zeugnis für deutsche Start-ups: zwar wollten Finanzdienstleister die Digitalisierung gerne vorantreiben, die Realität sehe aber oft anders aus. der-bank-blog.de +++ Neue Aufgabe: Ex-Penta-Chef Markus Pertlwieser unterstützt den digitalen Vermögensberater Gimmon. finanzbusiness.de +++ Getsafe expandiert: Das Heidelberger Insurtech startet nun in Frankreich seinen vierten Markt. Zunächst können französische Kunden über Getsafe Hausrat- und Gebäudeversicherungen abschließen. financefwd.com +++

– Neue Finanzierungsrunden –

+++ Hawk AI sammelt 17 Millionen US-Dollar: Das Münchener Fintech hat sich auf Geldwäschebekämpfung mit Hilfe künstlicher Intelligenz spezialisiert. Mit dem frischem Kapital sollen Produkte und Globalisierung vorangetrieben werden. paymentandbanking.com +++ Trade-Republic-Investor setzt auf Beatvest: 1,3 Millionen Euro investiert unter anderem die Sino AG in das Münchener Fintech, dass sich als Lern-App für Vermögensaufbau präsentiert. businessinsider.de

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ In Alles Coin, nichts muss geht es um einen möglichen Sleep-to-earn-Trend und darum, wie Neugierige ihre ersten Schritte im Web 3.0 wagen könnten. alles-coin-nichts-muss.podigee.io +++ Um den Podcast Alles Coin, nichts muss, geht es auch in der zweiten Podcast-Empfehlung. Diesmal sind die Hosts Florian Adomeit und Julius Nagel ihrerseits zu Gast bei FinanceFWD. +++ Als schlechteste Investorin, die man sich vorstellen könne, bezeichnet sich Katharina Wolff, Gründerin des Wirtschaftsmagazins Strive. In der neuen Folge von She speaks Finance spricht sie über ihren chaotisch wirkenden, aber vor allem beeindruckenden Lebenslauf. dasinvestment.com. +++ Fintech-Expertin Birte Sewing spricht im Finanz-Szene-Podcast darüber, wie die Fülle an Fintech-Konsolidierungen der letzten Jahre einzuordnen sein könnte. finanz-szene-podcast.podigee.io +++

 

– News International –

Druck auf Binance: An Hiobsbotschaften aus der Krypro-Branche hat man sich mittlerweile vermutlich gewöhnt. Für die weltweit größte Krypto-Börse Binance könnte es nun ganz dick kommen. Nun haben sich nämlich Gerüchte bestätigt, nach denen das US-Finanzministerium gegen Binance als eine der Schlüsselfiguren bei der Ermöglichung illegaler Geldtransfers über das Krypto-Unternehmen Bitzlato ermittelt. Seit Jahren andauernde Ermittlungen richteten sich demnach nicht nur gegen das Unternehmen, sondern auch gegen Binance-Chef Changpeng Zhao persönlich. t3n.de, handelsblatt.com

Geldstrafe für Coinbase: Die niederländische Zentralbank hat eine Geldstrafe für die US-Kryptobörse Coinbase ausgesprochen. 3,3 Millionen Euro werden demnach dafür fällig, dass das Unternehmen es versäumt hat, sich in den Niederlanden korrekt registrieren zu lassen, bevor es seine Leistungen angeboten habe. cash.ch

Bangman-Fried-Vermögen beschlagnahmt: US-Behörden haben dem Bericht nach Vermögenswerte des FTX-Gründers in Höhe von 700 Millionen US-Dollar beschlagnahmt. Über eine halbe Milliarde US-Dollar komme demnach durch Robinhood-Aktien zusammen. cash.ch

 

– Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche-

Verfahren gegen Paypal: Das Bundeskartellamt wirft dem US-Fintech Wettbewerbsbehinderung sowie Beschränkung des Preiswettbewerbs vor. Als indirekte Leittragende der Paypal-Praxis gewisser preislicher Aufschläge, nannte das Amt die Verbraucher, denen höhere Kosten über Preisanpassungen weitergereicht würden. Auch die Darstellung Paypals wird kritisiert, beispielsweise verbietet Paypal den Händlern, Präferenzen für andere Pay-Varianten zum Ausdruck zu bringen. handelsblatt.com

 

– Treffpunkte –

Sustainable Insurance Convention: Immer noch wird über viele Fragen der Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft diskutiert. Auf der Convention sollen möglichst viele Geschäftsbereich miteinander in Kontakt kommen, um eine übergeordnete Sichtweise zu kreieren. Als Speaker wird unter anderem Club-of-Rome-Aufsichtsrätin Monika Sebold-Bender erwartet. 28. Februar–1. März, Leipzig

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Wefox-Illusion: Der Artikel leitet mit der Feststellung ein, dass die aktuellen Nachrichten über das Insurtech nicht so skandalös sind, wie einige zu glauben scheinen. Dennoch erlebe Wefox derzeit eine Entzauberung, die im Kern zu einem Vertrauensverlust für die ganze Branche führe. paymentandbanking.com

Status der Apple Card: Der ausführlichen Artikel greift alte Apple-Aussagen zur Internationalisierung der Apple Card auf und versucht zu ergründen, wieso diese entgegen einiger Beteuerungen immer noch nur in den USA zu haben und dort eher ein Nischenthema ist. Dabei kritisiert das Team von „Payment & Banking” Clickbait-Aussagen, nach denen der Karten-Launch zur Blamage für Apple geworden sei. So gebe das oft zitierte Investor Reporting von Goldman Sachs eigentlich kaum Details preis, die etwas über den Erfolg von Apple in dem Zusammenhang sagen könnten. Recht objektiv beleuchtet der Artikel beide Seiten und hat aus Apple-Sicht gute und schlechte Nachrichten im Gepäck. paymentandanking.com

Wie KI die Industrie ändern wird: In diesem englischsprachigen Listicle beschreibt der Autor, wie Generative AI, eine Kombination maschinellen Lernens mit künstlicher Intelligenz, seiner Meinung nach die Payment-Industrie revolutionieren wird. finextra.com

Von Ausnahmezustand zu Ausnahmezustand: Ralf Oetting, Gründer und Geschäftsführer des Neobrokers justTRADE, über die Herausforderungen und Chancen für Neobroker im Jahr 2023. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

AI-Revolution: Branchenübergreifend war es eines der Gesprächsthemen der letzten Wochen: ChatGPT. Für viele Kommentatoren ist das Tool von OpenAI der absolute Gamechanger, für andere eine Chatbot-Spielerei. Ob und wie ChatGTP einen Wandel der Finanzdienstleistungs-Szene herbeiführen könnte, wird im aktuellen Talk Between the Towers- Podcast besprochen. anchor.fm